Autor: admin


  • Schreibst du, dann schreibe ich 
    Schweigst du, dann leide ich
    Leide ich, dann schreib ich
    Schweig ich, dann ruhe ich
    Träum ich, dann wach ich

  • Ach ja, hier kann ich auch reinschreiben
    Leben schildern und vom Leiden
    kann über die Zeit philosophieren
    es im Raum auch noch probieren
    könnt einfach auch mal schweigen
    statt ins Internet zu schreiben
    doch tippe ich mir die Finger wund
    schweigen ist so ungesund

  • Mit leeren Taschen gehen sie 
    scheinbar noch ohne Ziel
    Die Last ist leicht
    doch tragen sie
    unmerklich
    ach so
    viel

  • Er steht an der Straße 
    Spricht laut in die Hand
    in mir fremder Sprache
    in ein fernes Land

  • Rolle auf das Unheil zu 
    Augen fest geschlossen
    Nach dem Knall ist endlich Ruh
    hab ich es genossen?

  • Die See spornt an, 
    treibt mich nach vorn
    Was nützt ein Blick zurück?
    Ich will nach vorne, weiter weg
    entferne mich, Stück für Stück
    Wenn ich bereit, dann drehe ich um
    von vorn, noch einmal, vom Beginn
    vielleicht erkenne ich dann in alledem
    was ist und war den Sinn

  • Ich schreibe nicht mehr,
    weil kein Wort
    aus meinem Hirn entspringt
    und wenn dann keines das
    gesprochen wohlig klingt
    Ich denke viel
    tagaus, tagein, zur nacht
    ganz sicher wird aus alledem
    bald wieder Wort gemacht

  • Krank
    liege ich
    Liege und warte
    In steinernem Bett
    Schluck ich und warte
    auf die wirkende Tablette
    erhebe ich mich aus dem Bette
    bin ich schwach und schweißnass
    lasse alles geschehen, selbst Aderlass

  • Ölteppich brenn
    Steige nach oben
    Wir wollen alles
    Fossile bis in die
    Unendlichkeit loben
    Denn wenn wir dort oben
    die Welt unter uns
    winzig, ganz klein
    kann der leere Planet
    uns auch egal sein

  • Brustschwimmen

    Mit nacktem Oberkörper und bis zu den Knien im Wasser stehend, blickt er auf die spiegelnde Oberfläche des klaren brandenburgischen Sees. Langsam herabschauend streift sein Blick die an der Wasseroberfläche treibenden Pflanzen, ein totes Stück Holz und ein paar schnell schwimmende oder im Wasser verharrende Fische. Schließlich schaut er auf seine eigenen Füße, die Fische drumherum und hoch auf seine Brust. Er fühlt es, spürt tief in sich, dass unter der Haut und den daraus sprießenden Haaren etwas Böses wächst. Noch ist es nicht schmerzhaft, doch er hustet vermehrt, und während er früher trotz wenig Ausdauersports nie Probleme mit seiner Ausdauer hatte, ist er in letzter Zeit schneller außer Atem. Was da wohl ist? Will er es wissen? Eine Diagnose würde es klären, doch er schiebt den Gedanken schnell beiseite. Wie so viele andere auch. Stattdessen fokussiert er sich wieder auf seine Füße. Am linken großen Zeh verharrt neugierig ein Fisch. Der Fisch verschwindet, als er den Fuß hebt und sich nach zwei Schritten mit dem ganzen Körper in den See stürzt. Es ist Mitte Juli, bis vor einer halben Stunde hat es in Strömen geregnet. Das Wasser ist wärmer als die Umgebungsluft und nur in den unteren Schichten so erfrischend, wie er es braucht. Mit schnellen Zügen bahnt er sich den Weg hinaus auf den See. Der Wald am Ufer wirkt dunkel und durch die sich dahinter auftürmenden Wolken bedrohlich. Das Wasser, die Bewegung und die Freiheit tun gut. Nur die Gedanken bleiben, kommen wieder, und er spürt einen Druck auf der Brust.