Brustschwimmen

Mit nacktem Oberkörper und bis zu den Knien im Wasser stehend, blickt er auf die spiegelnde Oberfläche des klaren brandenburgischen Sees. Langsam herabschauend streift sein Blick die an der Wasseroberfläche treibenden Pflanzen, ein totes Stück Holz und ein paar schnell schwimmende oder im Wasser verharrende Fische. Schließlich schaut er auf seine eigenen Füße, die Fische drumherum und hoch auf seine Brust. Er fühlt es, spürt tief in sich, dass unter der Haut und den daraus sprießenden Haaren etwas Böses wächst. Noch ist es nicht schmerzhaft, doch er hustet vermehrt, und während er früher trotz wenig Ausdauersports nie Probleme mit seiner Ausdauer hatte, ist er in letzter Zeit schneller außer Atem. Was da wohl ist? Will er es wissen? Eine Diagnose würde es klären, doch er schiebt den Gedanken schnell beiseite. Wie so viele andere auch. Stattdessen fokussiert er sich wieder auf seine Füße. Am linken großen Zeh verharrt neugierig ein Fisch. Der Fisch verschwindet, als er den Fuß hebt und sich nach zwei Schritten mit dem ganzen Körper in den See stürzt. Es ist Mitte Juli, bis vor einer halben Stunde hat es in Strömen geregnet. Das Wasser ist wärmer als die Umgebungsluft und nur in den unteren Schichten so erfrischend, wie er es braucht. Mit schnellen Zügen bahnt er sich den Weg hinaus auf den See. Der Wald am Ufer wirkt dunkel und durch die sich dahinter auftürmenden Wolken bedrohlich. Das Wasser, die Bewegung und die Freiheit tun gut. Nur die Gedanken bleiben, kommen wieder, und er spürt einen Druck auf der Brust.